Corsi

Die Studierenden verfügen über vertiefte Kenntnisse zu den Zielen und Methoden der Bauteilaufnahme. Sie kennen die verschiedenen Dokumentationsverfahren, können entscheiden, welches sich für den jeweiligen Einsatzzweck am besten eignet und dieses im Rahmen von wissenschaftlichen Projekten aus dem Bereich der Bauforschung und Denkmalpflege selbstständig anwenden. Die Studierenden sind in der Lage, Architekturelemente mit einfachsten Hilfsmitteln händisch zu vermessen, maßstäbliche Darstellungen aller Seiten zu zeichnen und diese im richtigen Verhältnis zueinander darzustellen. Darüber hinaus verfügen sie über anwendungsorientierte Kenntnisse der 3D-Photogrammetrie (SfM), können 3D-Punktewolken erstellen und daraus maßhaltige Orthophotos als Grundlage für die händische Nachverdichtung generieren. Die Studierenden sind befähigt, Architekturinventare zu erstellen, in denen die Architekturelemente detailliert beschrieben werden. Die Studierenden sind in der Lage, Architekturelemente auf bautechnische und baukonstruktive Details zu untersuchen, die Aufschluss über den Entwurf und die Fertigung der Bauteile selbst und über den Bauablauf geben können. Außerdem können sie die untersuchten Bauteile ihrem ursprünglichen Bauzusammenhang zuweisen und in der Folge Rückschlüsse auf die Konstruktion und Gestalt des Bauwerks als Ganzes ziehen.

Gegenstand der Untersuchung sind antike Originalbauteile, die sich in der Sammlung der Staatlichen Museen Berlin befinden. Diese werden vor Ort mit verschiedenen manuellen und digitalen Methoden untersucht, beschrieben, vermessen und gezeichnet. Im Kurs wird auch der Umgang mit Architekturgliedern auf Ausgrabungen und in Sammlungen des 19 Jh. thematisiert. Damit eng verbunden sind Fragen der Forschungsgeschichte und der Provenienzforschung.

Die Architektur Asiens und Afrikas wird vor dem Hintergrund der historischen und kulturellen Kontexte an ausgewählten Beispielen (Vorderer Orient, Indien, Nepal, Sri Lanka, China, Äthiopien u.a.) detailliert untersucht. Im Fokus stehen folgenden Aspekte: Funktion und Gestaltung, Formen und Proportionen, regionalspezifische Baumaterialien und deren Gewinnung, Bauausführung und Organisation der Baustelle, Baukonstruktion, Bautechnik und Handwerkstechniken. Die Primärquelle ist das Bauwerk, das auf der Basis einer detaillierten Baudokumentation (Bauaufnahme, Bauteilaufnahme, Fotodokumentation, Baubeschreibung, Architekturinventar, Raumbuch, Datenbank) wissenschaftlich untersucht wird. In zeichnerischen Rekonstruktionen werden die verschiedenen Bauphasen dargestellt. Im Fokus steht dabei die anschauliche Visualisierung der baukonstruktiven und bautechnischen Zusammenhänge. Die untersuchten Bauwerke werden in ihren historischen und kulturellen Kontext eingeordnet. Die Architektur und der Städtebau der verschiedenen Kulturen werden miteinander verglichen, außerdem das klimagerechte und nachhaltige Bauen der repräsentativen und anonymen Architektur der verschiedenen Klimazonen als Reflexion für die Architektur der Gegenwart analysiert. Integraler Bestandteil der Lehrinhalte ist die kritische Reflektion der zeitlichen Bedingtheit historischer Forschung, von Forschungsfragen und Forschungsmöglichkeiten sowie die Auswirkungen auf den Forschungsstand. Zu erörtern sind zudem Implikationen kolonialer Einwirkungen und Auswirkungen auf die Forschungen in ehemals kolonialisierten Regionen, u.a. im Vorderen Orient, in Äthiopien, Südafrika und Namibia sowie in China (Tsindao), Mikronesien (Palau) und Sri Lanka. Zu diesem Themenbereich gehören orientalisierende und exotisierende Mechanismen, aber auch die Nachwirkungen der willkürlichen Grenzziehungen, der kolonialen Etablierung von Antikenbehörden und der Prägung der Denkmalgesetze sowie die Thematisierung von Archäologie als kolonialem Projekt zur Legitimation von Kolonial- oder Mandatsherrschaft.

„Dissonant Heritage“, im Deutschen meist übersetzt als „unbequeme Denkmale“, unter diesem Stichwort bildete sich im Nachgang zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 (European Year of Cultural Heritage“) eine Action Group der „Partnerschaft Kultur und Kulturelles Erbe“ unter dem Dach der 2016 gestarteten Initiative „Urbane Agenda der Europäischen Union“. Sie widmet sich - namentlich aus städtischer und städtebaulicher Perspektive - Denkmalkonflikten und Denkmalgefährdungen, um deren Streitwert als Impuls für „Comprehensive and Integrated Approaches to Dissonant Heritage“ produktiv zu machen. Das „Buzludzha Monument“ in Bulgarien zählt zu den Schlüsseldenkmalen der Initiative. Mittlerweile ist das interdisziplinäre EU-Pilotprojekt mit der laufenden Bearbeitung und geplanten Veröffentlichung einer „Toolbox for Dissonant Heritage“ in eine Auswertungsphase getreten und wird von einer informellen Expertengruppe fortgeführt (https://dissonant-heritage.info/).   

Die diesjährige Lehrveranstaltung „Denkmalwerte – Denkmalkritik“ soll erfolgte oder erwogene Interventionen an gesellschaftlich umstrittenen denkmalwerten Zeugnissen und Stätten des 20. Jahrhunderts auf Auswirkungen für Denkmalwerte und Denkmalvermittlungspotentiale befragen. Einen anschaulichen und leicht zugänglichen Ausgangspunkt bilden (potentielle) Denkmalkonflikte in der Metropolregion Berlin-Brandenburg, die von den Studierenden gerne auch durch Fallstudien aus Deutschland oder dem Ausland ergänzt werden können. Die Lehrveranstaltung ist zu etwa gleichen Teilen in Seminarform mit Präsentationen und Diskussionen in der TU geplant und in Form von Stadtrundgängen bzw. Ortsterminen.   
Neben der regelmäßigen Teilnahme an den Lehrveranstaltungen im Saal und vor Ort und der Kurzpräsentation eines Fallbeispiels mit Handzettel bzw. Thesenpapier (max. zwei A4 Seiten) im Saal oder in situ wird eine resümierende Schlusspräsentation der Fallstudie als Poster (DIN A 1) oder im Pecha Kucha Format erwartet (digital und als Ausdruck).

Das Seminar widmet sich der vertieften Beschäftigung mit antiken Entwurfskonzepten. Nach einer theoretischen Einführung werden Fallbeispiele der griechisch-römischen Antike mit den Methoden des architektonischen Entwerfens und der historischen Bauforschung untersucht. Am konkreten Gebäude wird dem Entwurf nachgespürt, indem Typologie, Proportionen, Maßeinheiten und Konstruktionsweisen analysiert werden und der Einfluss von Topografie, Nutzung und zur Verfügung stehenden Baumaterialien berücksichtigt wird.

 Die Bearbeitung der Fragestellung geschieht anhand der jeweiligen publizierten Baudokumentation, insbesondere der Bauaufnahme-Pläne. Bisherige Forschungsergebnisse werden einbezogen und kritisch hinterfragt. In einem experimentellen Ansatz testen und dokumentieren die Studierenden mögliche Entwurfsansätze mittels Plananalyse, Skizzen, Modellen und textlichen Erläuterungen.

Leitung: Dr. Alexandra Tanner

Das weite Feld der Archäologie und der archäologischen Denkmalpflege wird mit Überlegungen zur Definition der Wissenschaft eingeleitet. Mit den Themen “Archäologie und Öffentlichkeit”, “Archäologie und Baudenkmalpflege”, “Archäologische Techniken und Methoden”, „Datierungsmethoden“ sowie Fragen der Nachhaltigkeit und des
Denkmalwerts wird in die Wissenschaftsdisziplin eingeführt.

Das Thema archäologische Denkmalpflege wird darauf aufbauend anhand zahlreicher Beispiele aus der denkmalpflegerischen Praxis und der intensiven Beschäftigung mit den Denkmalschutzgesetzen ausgewählter Bundesländer, den internationalen Chartae und dem Aspekt der illegalen Archäologie behandelt. 

Aspekte der Genderforschung und der „Postkolonialen Archäologie“werden im Zusammenhang mit anderen Themen immer wieder angesprochen, aber auch in eigenen Veranstaltungsteilen behandelt.

Ergänzend führt im Rahmen des Seminars eine Exkursion ins Archäologische Landesmuseum
Brandenburg.