Ausgangspunkt des Seminars ist die Beobachtung, dass gesellschaftliche Konflikte nach dem 7. Oktober nicht nur zu einer Zunahme antisemitischer und antimuslimischer Ressentiments geführt haben, sondern zugleich neue Formen solidarischer, dialogischer und nicht-polarisierender Praxis hervorgebracht haben. Im Mittelpunkt des Seminars steht eine theoretische und fallstudienorientierte Auseinandersetzung mit Antworten auf den Anstieg von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus nach dem 7. Oktober. Im Fokus steht zunächst die theoretische Auseinandersetzung mit Konzepten wie Solidarität, Empathie, Ambiguitätstoleranz und Multiperspektivität sowie die Frage, ob und wie sie in angespannten gesellschaftlichen Kontexten sichtbar sind und praktisch wirksam werden können. Untersucht werden insbesondere jene Strategien von Akteur*innen und Gruppen, die gemeinsame, nicht-polarisierende Reaktionsformen entwickeln und sich bewusst gegen politische oder kulturelle Instrumentalisierungen stellen (z. B. Podcast „Zeit zu reden“, Initiative „Räume gegen Eskalation“ in Kooperation mit dem ZfA).

Die theoretische Arbeit wird ergänzt durch eine gemeinsame, induktive Analyse ausgewählter Fallstudien, die überwiegend auf von den Akteur*innen selbst produzierten Materialien beruhen: Reden, Video- und Bildmaterial, öffentliche Statements. Ziel ist es, Formen konstruktiver Beziehungsgestaltung unter Bedingungen gesellschaftlicher Spannung sichtbar zu machen und sowohl ihren symbolischen als auch praktischen Gehalt kritisch zu reflektieren – mit besonderer Aufmerksamkeit für die Bedeutung symbolischer Handlungen. Das Seminar versteht sich als explorativ-analytisch, nicht aktivistisch. Grundlage der Analyse bilden insbesondere wissenssoziologische Ansätze und bildhermeneutische Methodologien.