Seminar Vertiefung Gesellschaftsanalyse

Dienstag, 14.4. bis 14.7.2026, 16.15 Uhr bis 17.45 Uhr (Dr. Sarah Pritz)

Gesellschaft unter der Haut. Soziologie der Emotionen

Gefühle erscheinen häufig als etwas zutiefst Individuelles. Was wir als Emotionen erleben, ist jedoch nie rein subjektiv, sondern verweist auf unsere Position im Netz sozialer Beziehungen und gewinnt seine Bedeutung erst vor dem Hintergrund kultureller Ordnungen. Zugleich wirken Emotionen selbst auf das Soziale zurück: Sie motivieren Handlungen, strukturieren Zugehörigkeiten und prägen gesellschaftliche Konflikte. Emotionen sind damit gesellschaftlich geformt – und zugleich eine zentrale Kraft gesellschaftlicher Dynamiken.

Das Seminar bietet eine Einführung in klassische und aktuelle Perspektiven der Emotions- und Affektsoziologie. Den folgenden Fragen werden wir gemeinsam nachgehen: Wie lassen sich Emotionen überhaupt soziologisch untersuchen? Welche theoretischen Perspektiven haben die sozial- und kulturwissenschaftliche Emotionsforschung geprägt – und mit welchen Methoden lassen sich Gefühle angemessen empirisch erfassen? Welche Rolle spielen Emotionen eigentlich im Forschungsprozess selbst? Welche Bedeutung kommt Gefühlen in (spät-)modernen Gesellschaften zu – und in welchen sozialen Arenen werden sie gegenwärtig besonders wirksam?

Ziel des Seminars ist es, Emotionen als grundlegende Kategorie der Gesellschaftsanalyse zu erschließen, einen Überblick über zentrale Ansätze der emotions- und affektsoziologischen Forschung zu vermitteln und nicht zuletzt die sociological imagination (C. Wright Mills) dafür zu schärfen, wie Gesellschaft buchstäblich ‚unter die Haut‘ geht.