Link zu Moses: Moses - Sprachkritik / Kognitive Gendertheorie (Seminar) Religionslinguistik. Zur Konstruktion transzendenter Konzepte in Glaubensgemeinschaften, Freizeit und Politik

„Religion and Spirituality are among the most language dependent of human activities” 
(Bouma/Aarons 2004: 351).

Ob ein gerechter Gott, eine heilsbringende Ideologie oder ein Glück versprechendes Coaching: Viele Menschen sehnen sich danach, ihr Leben nach etwas Höherem auszurichten und so das immanente Dasein durch eine transzendente Orientierung zu umhüllen und aufzuwerten. Teils laufen diese Sinnkonstruktionen unbewusst ab oder treten unbemerkt in Erscheinung; teils finden wir explizite Aushandlungsprozesse, zu denen wir bewusst Stellung beziehen. Doch stets ist es Sprache, die uns erlaubt, überweltliche Bezüge herzustellen. Mit Wörtern machen wir diffuse Ideen und Gefühle greifbar; mit ihnen entwickeln, verhandeln und verbreiten wir abstrakte Konzepte wie Vorstellungen von Jenseits und Göttlichkeit, von Tod und Lebenssinn, von Gemeinschaft und Glück. Sprachgebrauch mit transzendenten Bezügen ist in allen Zeiten und Kulturen verankert und begegnet uns auch in rein säkularen Situationen.

In diesem Seminar werden wir uns auf den Forschungsstand zu Sprache und Religion (u.a. Lasch/Liebert 2025) bzw. zu Religious Language (u.a. Richardson et al., 2021) aufbauend mit der Verbalisierung transzendenter Konzepte in drei Diskusräumen auseinandersetzen. Um Gebrauch und Ritualisierung sakraler und religiöser Sprache kennenzulernen, betrachten wir zunächst institutionalisierte Glaubensgemeinschaften. Darauf aufbauend wenden wir uns spirituellen Freizeitangeboten in verschiedenen medialen Formen zu und analysieren den Sprachgebrauch selbsternannter Hexen auf TikTok, in Yogakursen o.ä. Abschließend befassen wir uns mit religiöser Sprache in politischen Kontexten, die dort häufig zur Auf- und Abwertung sowie Gruppenkohäsion und Persuasion eingesetzt wird.

Den drei Themenbereichen werden wir uns mit theoretischen Überlegungen, empirischen Studien und offenen Datensitzungen widmen. Letztere werden im Rahmen einer kleinen Leistung von den Teilnehmer*innen vorbereitet und protokolliert, für eine große Leistung sind zum Ende des Semesters Hausarbeiten einzureichen.

 

In der Seminarbeschreibung zitierte Literatur:

Bouma/Aarons, 2004. Religion, in: Ammon et al. (eds.): Soziolinguistik. De Gruyter, pp. 351–354.

Lasch/Liebert, 2025. Religion und Sprache. Nomos.

Richardson et al., 2021. Cognitive Linguistics and Religious Language: An Introduction. Routledge.