Im Zuge von Klimakrise, Ressourcenknappheit und der durchdringenden Allgegenwart digitaler Technologien wird die seit der Aufklärung installierte Vormachtstellung des Menschen zunehmend fragwürdig. Zum Versuch der Neubestimmung des Verhältnisses des Menschen zur Natur und Technik trägt vor allem der Posthumanismus bei, der in unterschiedlichen philosophischen und kulturwissenschaftlichen Ausprägungen an einer Alternative zu einem logisch-szientifischen Weltentwurf arbeitet. Dabei taucht in jüngerer Zeit beständig der Begriff des Narrativs oder des narrativen Elements auf. Dies ist bemerkenswert, insofern die erzählerische Aktivität in der Konzeption des homo narrans (Walter Fisher) gleichzeitig als Urszene des Menschlichen gilt. Ist das Erzählen jenseits des Menschen überhaupt möglich?
Die Wissenschaftshistorikerin und Feministin Donna Haraway, die 1985 mit „A Cyborg Manifesto“ als eine Vertreterin des Posthumanismus berühmt geworden ist, macht beispielsweise mit ihrem Konzept der speculative fabulation eine neue, mehr-als-menschliche Form des Erzählens und Darstellens stark, bei der Fiktion und Fakten miteinander verwoben werden, um alternative Formen des Zusammenlebens in unserer Gegenwart freizulegen. Zentral bei dieser ökologisch angelegten Erzähl- und Wissensform ist die Interaktion und Synchronisierung verschiedener Umwelten sowie menschlicher und nicht-menschlicher Akteur:innen. Es scheint nicht verwunderlich, dass Haraway gerade in der Literatur und den Künsten ‚Mitstreiterinnen‘ findet, um ihrer speculative fabulation als neuem Umgang mit Welt Form zu verleihen.
In dem Blockseminar werden wir uns literarische und künstlerische Werke der Gegenwart anschauen (Nonhuman Nonsense, Jenifer Becker, Juan S. Guse, Rike Scheffler, Liam Young, Patricia Piccinini etc.), in denen mit nichthumanen Erzählperspektiven experimentiert wird. Hierzu werden wir uns auch einzelnen theoretischen Positionen (Roland Barthes, Donna Haraway, Hannes Bajohr etc.) widmen. An einem Termin ist eine gemeinsame Exkursion ins Futurium (Alexanderufer 2, 10117) geplant, das sich als Spielfeld unterschiedlichster Akteur:innen der Gesellschaft versteht und die Neubestimmung des Verhältnisses von Mensch, Technik und Natur als ein gemeinschaftliches (Zukunfts-)Projekt propagiert, an dem alle mitwirken sollen.

LV-Nr.: 3131 L 015

MA-TGWT LW 2

Vertiefung
Freie Wahl

Fr., 22. Mai, 10-12 Uhr
Fr., 5. Juni, 10-18 Uhr
Fr., 26. Juni, 10-18 Uhr
Fr., 10. Juli, 10-18 Uhr  

Raum: tba

Beginn: 22.05.2026

Ende: 10.07.2026