Als Georg Büchner 1837 im Alter von 23 Jahren starb, hinterließ er die fragmentarische Szenenfolge „Woyzeck“. Sie erschien 1879 im Druck und entfaltete ihre eigentliche Wirkungsgeschichte erst im 20. Jahrhundert. Autoren wie Gerhart Hauptmann, Frank Wedekind und Bertolt Brecht erkannten in ihm nachträglich den Beginn des modernen Dramas. Die Uraufführung erfolgte 1913 am Residenztheater München; 1925 hatte Alban Bergs „Wozzeck“ an der Berliner Staatsoper Premiere. Das Seminar wird sich Büchners Text in der Absicht zuwenden, dieses literatur- und theatergeschichtlich höchst bedeutsame Stück ideen- und wissensgeschichtlich zu erschließen. Auf exemplarische Weise soll dabei eine Form der Lektüre erprobt werden, die Literatur nicht immanent interpretiert, sondern auf historische Diskursformationen (wie in diesem Fall die forensische Psychiatrie und die Ernährungsphysiologie) bezieht. Dabei soll insbesondere auch die politische Sprengkraft deutlich werden, die Büchners Poetik in ihrer materialistischen Abkehr vom philosophischen Idealismus kennzeichnet.

LV-Nr.: 3131 L 011

MA-TGWT LW 3
Vertiefung
Freie Wahl

Di. 16-18 Uhr

Raum: H 2038

Beginn: 14.04.2026

Ende: 14.07.2026