
Inhalt: Sprache spielt eine zentrale Rolle in individuellen und sozialen Radikalisierungsprozessen, denn nur mit verbalen Akten kann ein extremistisches Weltbild konstituiert und an potenziell empfängliche Personen vermittelt werden. In dieser semantischen und pragmatischen Macht von Sprache liegt das Potenzial linguistischer Analysen für die interdisziplinäre Radikalisierungs- und Extremismusforschung begründet, die aktuell vor allem durch die Soziologie, Kriminologie und Politikwissenschaft dominiert wird. In diesem Seminar wollen wir diskutieren, welche linguistischen Methoden zur Erforschung von radikalem und extremistischem Sprechen und Denken eingesetzt werden können. Dabei werden wir auf quantitative Wortschatzanalysen der Varietätenlinguistik und auf transtextuelle Methoden der Diskursanalyse sowie auf qualitative Analysen der kognitiven Textlinguistik eingehen und diese mit Grundlagen der kognitiven Semantik und Persuasionsforschung kombinieren.
In Projekten haben die Teilnehmer:innen die Gelegenheit, die besprochenen Methoden zu reflektieren und auf Texte einer radikalisierten oder extremistischen Gruppe ihrer Wahl anzuwenden. Die Ergebnisse dieser Projektarbeit werden am Ende des Semesters im Plenum präsentiert und diskutiert. Das Seminar setzt Grundkenntnisse der kognitiven Medienlinguistik voraus und richtet sich an Fachstudent*innen im 3. bzw. 5. Mastersemester.
Vorkenntnisse: zu Text- und Kognitionslinguistik sowie Semantik, Pragmatik werden vorausgesetzt. Es wird gebeten, diese rechtzeitig selbstständig aufzufrischen.
Link zu Moses: https://moseskonto.tu-berlin.de/moses/verzeichnis/veranstaltungen/veranstaltung.html?veranstaltung=313031
- Trainer/in: Maria Fritzsche