Dozent:in: Dr. Yann LeGall / Dr. Robert Skwirblies
Zeit: Freitag 12-14 Uhr I Beginn: 25.10
Ort: A 072
Modulzugehörigkeit:
MA 2, 3a, 3b, 4, 6b
Beschreibung:
Postkoloniale, feministische und intersektionelle Studien haben in den letzten Jahrzehnten auf exotisierende, teils sogar entmenschlichende Darstellungen nicht-weißer Körper in der Kunst und in der geschichtswissenschaftlichen Wissensproduktion hingewiesen. Sie unterstreichen auch das Bedürfnis, den Kanon und die Methoden der Kultur- und Kunstgeschichte zu ändern, um den Beitrag nicht-weißer Künstler*innen und künstlerischer Traditionen herauszustellen. Auch Museen selbst haben im letzten Jahrzehnt sich für mehr Diversität ausgesprochen. Interventionen von kritischen Stimmen, darunter Künstler*innen, die rassistische Gewalt, Ungleichheit und ein Fortbestehen kolonialer Machtverhältnisse angesprochen oder sichtbar gemacht haben, sind jetzt erwünscht, ja, werden sogar proaktiv von Kulturinstitutionen gesucht. Doch dekolonisieren sich Museen tatsächlich, oder gehört diese „neue Museologie“ zu einer Strategie, um institutioneller Kritik eine angepasste Antwort zu geben?
In diesem Seminar setzen sich Studierende mit verschiedenen Verbindungen zwischen kolonialer Gewalt und Kunst auseinander, etwa in malerischen Darstellungen versklavter Menschen oder Landeroberung, in dem Ausstellen zeitgenössischer Kunst neben kolonialer Kriegsbeute, oder in künstlerischen Interventionen, die auf (physische und epistemische) gewalttätige Ereignisse und Verhältnisse hinweisen. Die Kunst u.a. von Harmonia Rosales, Kara Walker, Daniel Boyd, Kwame Akoto-Bamfo und Yinka Shonibare wird hier thematisiert. Der im Kurs zu bearbeitende literarische Korpus beinhaltet Publikationen der letzten Jahre, die sich mit der Thematik der Dekolonisierung von Museen und der Rolle der Kunst in diesem Zusammenhang auseinandersetzen (Shimrit Lee, Alice Procter u.a.).
Aufgepasst: In diesem Seminar werden schwierige Themen wie Völkermord, koloniale und genderspezifische Gewalt und rassistische Sprache behandelt. Wenn sie das Bedürfnis verspüren, können Studierende ihre Empfindlichkeiten vorher mit Yann LeGall per E-Mail mitteilen, damit der Kursleiter dies berücksichtigen kann.
Teilnehmerzahl max. 25
Literatur (u.a.):
Darstellungen versklavter Menschen: Ausstellung Schlösser-Preussen-Kolonial, SPSG; Simon Gikandi: Slavery and the Culture of Taste. Painting back: Elsa Mercado: “A Conversation with Artist Harmonia Rosales”, Afro-Hispanic Review 37:2 (Fall 2018). Epistemische Gewalt in Ausstellung sog. “primitiver” Kunst: Rowland Abiodun: Yoruba Art and Language: Seeking the African in African Art. Pespektivwechsel und die Venice Biennale 2024: Zoe Strother et al.: “Art with Fight in It: Discovering that a Statue of a Colonial Officer is a Power Object from the 1931 Pende Revolt”; CATCP: The International Celebration of Blasphemy and the Sacred (Venice Biennale, Dutch Pavillon). Postkoloniale westafrikanische Kunst: Chika Okeke-Agulu: Postcolonial Modernism: Art and Decolonization in Twentieth-Century Nigeria.Beispiel des Martin-Gropius Baus: Geschichte und Positionierung: Lisa Hackmann: “1881 – Das königliche Museum für Kunstgewerbe (heute Martin-Gropius-Bau) wird geöffnet”. In Die Postkoloniale Stadt lessen: Historische Erkundungen in Friedrichshain-Kreuzberg; Anja Schwarz: “Deutschlands koloniale Verflechtungen im Pazifik: Daniel Boyd im Martin-Gropius Bau”. Schwarze Künstler*innen und Monumente: Alice Procter: The Whole Picture: The Colonial Story of the Art in Our Museums & Why We Need to Talk About It. Interventionen zu kolonialen (und anderen) Gewaltstrukturen in Museen: Laura Raicovich. Culture Strike: Art and Museums in the Age of Protest; Shimrit Lee: Decolonizing Museums. Kolonialismus, Klimakrise und ökonomische Ausbeutung in der Kunst: Literatur zur künstlerischen Bewegung “Afrogallonism”. Beyond a history of violence: Art as philosophy: Souleymane Bachir Ndiaye. African Art as Philosophy.
- Trainer/in: Lindiwe Breuer
- Trainer/in: Lars Alexander Hemmerich
- Trainer/in: Helena Therese Langer
- Trainer/in: Yann LeGall
- Trainer/in: Richard Müller
- Trainer/in: Carla Luise Oevermann
- Trainer/in: Robert Skwirblies
- Trainer/in: Viviane Sophie Thiel