In einem 2018 in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Artikel hat der Tübinger Informatiker Bernhard Schölkopf vorgeschlagen, im Blick auf den gegenwärtigen technologischen Wandel besser von ‚kybernetischer Revolution’ als von ‚digitaler Revolution’ zu sprechen. Die informationsverarbeitenden ‚intelligenten’ Maschinen seien nämlich heute durch ihre Umweltoffenheit in der Lage, ‚Erfahrungen’ zu machen und damit zu lernen. Damit aber werde das, was in den 1940er, 1950er und 1960er Jahren im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprogramms der Kybernetik nur programmatisch antizipiert und bruchstückhaft realisiert werden konnte, technisch eingelöst. Das Seminar wird dieser These folgen und die ‚kybernetische Revolution‘ vor allem im Bereich von Wissenschaft, Kunst, Politik und Verwaltung beleuchten. Dabei werden Grundbegriffe wie ‚Information‘, ‚Feedback‘ oder ‚System‘ ebenso zu klären sein wie verschiedene theoretische Konzepte, die die neue Symbiose zwischen Menschen und Maschinen zu beschreiben versuchen. Gegen Ende des Semesters werden dann auch die aktuellen Large Language Models (LLMs) Thema sein, in denen die ‚kybernetische Revolution‘ damit begonnen hat, den alltäglichen Sprachgebrauch zu erfassen und zu verändern.