Technofeminismus – die architektonische Dimension
Um den Zusammenhang von technischem Fortschritt und gesellschaftlichen Machtverhältnissen im Feld der Architektur ergründen zu können, liegt es nahe, neben relevanten technikphilosophischen Fragestellungen die Vielgestaltigkeit des Begriffs Feminismus (in vier Wellen) genauer zu beleuchten. Neben bürgerlichen, radikalen und queeren Positionen werden dabei auch öko- und technofeministische Forderungen an die Gesellschaft gestellt. Letztere steht hier im Fokus. Im Seminar wird das Konzept des Technofeminismus (in den 1990er Jahren als Cyberfeminismus bezeichnet) eingeführt und auf seine architektonische bzw. räumliche Dimension hin untersucht. Anhand von Texten zentraler Autor.innen, z. B. Donna Haraway, Rosi Braidotti, Judy Wajcman oder Caroline Criado Perez, werden dabei insbesondere geschlechtsspezifizierende, ethnisierende und rassifizierende Vorurteile erfasst, die in vermeintlich neutralen Technologien eingeschrieben sind. Das betrifft die digital durchdrungenen Sphären des Wohnens und öffentlichen Lebens und die Architekturdisziplin als Arbeitsumfeld für FLINTA* im globalen Norden genauso wie die Materialität des digitalen Kapitalismus und die damit verbundene Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft und natürlicher Ressourcen im globalen Süden.
Lektüreempfehlung vorab: Cornelia Sollfrank (Hg.), Die schönen Kriegerinnen. Technofeministische Praxis im 21. Jahrhundert, Wien: transversal texts 2018.
- Trainer/in: Jörg Gleiter
- Trainer/in: Tran Ngoc Anh Hoffmann
- Trainer/in: Sandra Meireis