Um 1900 konstituierte sich der „Mädchenhandel“ als ein Objekt eines transatlantischen Diskurses, der auch im deutschsprachigen Raum weite Verbreitung fand. Zugleich war es auch Teil eines sozial, religiös und moralisch aufgeladenen Diskurses über Juden und Jüdinnen und innerhalb des Judentums. Dieser Diskurs wurde von verschiedenen Akteursgruppen über verschiedene Medien hinweg geführt. Antisemtische Stereotypen über jüdische „Mädchenhändler“ spielten dabei ebenso eine Rolle wie die Annahme, dass jüdische Frauen besonders betroffen seien. Gleichzeitig war der Diskurs über den „Mädchenhandel“ auch Austragungsort von Debatten über weibliche/ jüdische Sexualität, Migration, Erwerbstätigkeit und Selbstbestimmung im frühen 20. Jahrhundert. Im Verlauf des Seminars werden wir uns anhand zahlreicher verschiedener Quellen (u.a. Polizeiberichte, Akten internationaler Institutionen, Ego-Dokumente, Presseberichte und Spielfilme) mit unterschiedlichen Aspekten des Phänomens Frauenhandel im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert befassen. Ziel ist dabei Perspektiven der jüdischen Geschichte und der Geschlechtergeschichte miteinander in Beziehung zu setzten.
- Trainer/in: Elisabeth Sylvia Janik-Freis