Die Sammelbände Transgender Marxism (Gleeson & O'Rourke 2019) und Matérialismes Trans (Clochec & Grunenwald 2021) zeugen von einer aktuellen Suche nach einem explizit materialistischen marxistischen Rahmen für trans Theorie und Politik. Diese Kritik entsteht aus der Frustration über die Reduktion von trans politischem Denken und Handeln auf eine Frage der Anerkennung bestimmter Identitäten. Diese Unzufriedenheit mit der Vernachlässigung der strukturellen Machtverhältnisse, insbesondere der Bedeutung von Kapitalismus und Rassismus, für ein Verständnis der Lebensrealitäten von trans Menschen ist aber nicht neu. Materialistische Ansätze waren immer Teil der Trans Studies, wenngleich sie in Rezeption weitestgehend marginalisiert worden sind. Im Seminar werden wir uns einer Auswahl dieser älteren und neueren Texte widmen. In der gemeinsamen Lektüre und Diskussion stehen die Bedeutung der Kategorien "Trans" und "Geschlechtsidentität" zur Debatte, sowie die Schärfung des Selbstverständnisses der Trans Studies als epistemisch-politisches Feld in Zusammenhang mit einer "materialistischen" Verortung und die unterschiedlichen Abgrenzungen, die diesen konstituieren sollen. Die Lektüren im Seminar sind größtenteils auf Englisch.