Seitdem #DefundThePolice zu einer zentralen Forderung der US Amerikanischen Black Lives Matter Bewegung geworden ist, sind abolitionistische Perspektiven und deren (Vor)Denker*innen zu zentralen Bezügen in öffentlichen Debatten geworden. Feministische Abolitionismen handeln meist in mindestens zwei Stoßrichtungen: einerseits politisch gegen die Institutionen des „strafenden Staates“ und seiner privatwirtschaftlichen Verflechtungen kämpfen und andererseits nach innen, gegen die Beteiligung feministischer Bewegungen an dem Ausbau strafender Handhabung von sexualisierter und Beziehungsgewalt. In diesem Kontext werden vor allem in Nordamerika Konzepte kollektiver Verantwortungsübernahme und transformativer Gerechtigkeit in Stellung gebracht. Ejeris Dixon und Leah Lakshmi Piepzna-Samarasinha beschreiben transformative justice als eine von queeren BIPoC getragene Bewegung und gelebte Praxis in Nordamerika zum transformativen Umgang mit interpersoneller und struktureller Gewalt ohne Rückgriff auf Institutionen des strafenden Staates (Dixon & Piepzna-Samarasinha 2020). Auch in Deutschland ist der Abolitionismus zum Thema geworden. In diesem Seminar wollen wir der Frage nachgehen, wie ein feministischer Abolitionismus in Deutschland aussehen kann. Was fordert die Übersetzung dieser Konzepte in den Kontext deutscher feministischer Bewegungen? Welche Vorläufer aktueller abolitionistischer politischer Praxis lassen sich ausmachen? Wie ist die Bedarfslage und welche Möglichkeitshorizonte gibt es für feministisch-abolitionistische Praxis?