Seminar für BA
Dozentin: Astrid Zenkert
Donnerstag 10-12 Uhr
Raum: A072
Module: BA KuWi 2, 3, 4, 5
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Einmal auf das Thema aufmerksam geworden, ist man überrascht, wie viele
Hinrichtungsszenen man in Kunstmuseen findet. Nicht wenige von ihnen
(man denke etwa an die berühmten Erschießungsbilder Goyas und Manets)
gehören zu den Ikonen neuzeitlicher Malerei. Bezeugen Hinrichtungsbilder
in religiösen Kontexten die Illegitimität heidnischer Rechtssysteme und
die Heiligkeit der auf eine „höhere“ Gerechtigkeit bauenden Märtyrer,
so spielt das Thema seit der Renaissance eine wichtige Rolle in der
Herausbildung eines neuen säkularen „Raums juridischer Sichtbarkeit“
(Claudia Blümle). Mit der Verbreitung druckgrafischer und fotografischer
Vervielfältigungstechniken erfährt dieser Raum signifikante
Erweiterungen und Verschiebungen. Als im Laufe des 19. Jahrhunderts
reale Hinrichtungen mehr und mehr den Blicken entzogen werden, verändert
sich auch die beglaubigende Funktion des Hinrichtungsbildes. Im
diachronen Vergleich wollen wir untersuchen, wie dieser Bildypus im
Spannungsfeld von Dramatisierung und Distanzierung, Affirmation und
Kritik Öffentlichkeit erzeugt. Dabei wollen wir die hier besonders
intensive Korrespondenz zwischen dem Bild und seinem Sujet als
sich wandelnde Konstellation in den Blick nehmen. Die gezeigte
Hinrichtung mag per Schwert, per Guillotine oder per Drohne erfolgen:
Die Betrachtenden werden zu Zeugen der Exekution, die KünstlerInnen, die
deren Darstellung ausführen, zu ästhetischen Vollstreckern eines
Urteils. Wir wollen also nicht nur die ikonographischen Traditionen
dieses besonderen Bildtypus verfolgen, sondern zugleich auch über seine
rezeptionsästhetischen und bildtheoretischen Implikationen nachdenken.
- Trainer/in: Milena Ingrid Maria Soquat
- Trainer/in: Paula Wunderlich