Seminar für BA
Dozentin: Astrid Zenkert
Donnerstag 14-16 Uhr
Raum: A072
Module: BA KuWi 2, 5, 6
Beschreibung:
Als man in den 1430er Jahren den antiken Torso vom Belvedere fand und
über seine Schönheit staunte, machte man die verwirrende Erfahrung, dass
etwas Unvollständiges eine Vorstellung von Vollkommenheit zu vermitteln
vermag. Michelangelo studierte den Torso intensiv und bezeichnete sich
als dessen Schüler. Dass er zahlreiche eigenen Werke unvollendet ließ,
hat viele Gründe. Aber dass man bereits zu seinen Lebzeiten begann, in
diesen unfertigen Skulpturen besondere ästhetische Qualitäten zu
entdecken, lässt sich mit der wachsenden Bewunderung für die
skulpturalen und architektonischen Überreste der Antike in Beziehung
setzen. Parallel dazu begann man, in der Malerei mit Formen zu
experimentieren, die absichtlich den Charakter des Unfertigen evozieren.
Anhand prominenter Beispiele aus Skulptur und Architektur, Malerei und
Zeichnung wollen wir untersuchen, wie die Rezeption von Unfertigem und
Zerstörtem mit der intentionalen Produktion von Skizzen- und
Bruchstückhaftem zusammhängt, durch die neue kreative Potenziale und
neue Dimensionen der Zeitlichkeit in die Kunst der Vormoderne
eingebracht wurden. Nicht nur die künstlerischen Gestaltungsprozesse
wurden dabei auf neue Weise sichtbar und zum Thema gemacht. Auch die
Kunstrezeption wurde durch das Spiel mit der Unvollständigkeit in den
Rang eines schöpferischen Vorgangs gehoben, lädt es doch die
Betrachtenden zur imaginären Vervollständigung ein.
- Trainer/in: Lars Alexander Hemmerich
- Trainer/in: Milena Ingrid Maria Soquat
- Trainer/in: Paula Wunderlich