
Seminar für MA
Dozierende: Prof. Dr. Maria Deiters und Stephanie Schüler M.A.
Dienstag 16-18 Uhr
Raum A072
Module: MA KuWi 1, 3a, 5, 7a
Für diesen Kurs sind noch Restplätze verfügbar. Bei Interesse melden Sie sich bitte unter Angabe Ihres vollen Namens unter diathek@kunstwissenschaft.tu-berlin.de.
Beschreibung:
In dem Seminar sollen verschiedene Methoden der kunsthistorischen Objektanalyse und Objekterschließung geübt und angewandt werden. Zentraler Gegenstand sind die um 1370 entstandenen Glasmalereien der Stadtpfarrkirche St. Marien in Frankfurt (Oder), die zu den bedeutendsten mittelalterlichen Kunstwerken in der Mark Brandenburg gehören. Der um 1370 entstandene, sich über die 3 zentralen Chorfenster der Kirche erstreckende Zyklus erlangte große Bekanntheit wegen des in einem der Fenster behandelten Antichrist-Themas, vor allem aber durch sein exzeptionelles Schicksal. Denn die Glasmalereien waren 1945 von der Roten Armee in die Sowjetunion verbracht worden, wurden in einem historischen Moment der politischen Entspannung dort wiederentdeckt und kehrten in die nach schwerer Kriegszerstörung wiederaufgebaute Marienkirche zurück. 2022 wird das 20-jährige Jubiläum dieses Ereignisses feierlich begangen. Dies bildet auch einen Anlass für unser Seminar. Wir werden uns darin zunächst mit Methoden der ‘klassischen’ Objektanalyse nähern, uns mit dem historischen, funktionalen und räumlich-architektonischen Kontext der Glasmalereien ebenso beschäftigen, wie mit Fragen der künstlerischen Technik und Materialität. Am Beispiel der Frankfurter Fenster kann man sehr gut zentrale ikonographische Themen, Bildinszenierungen und Erzählweisen der mittelalterlichen Kunst kennenlernen. Zudem lässt sich gut üben, wie man z. B. mittels der Lektüre nachmittelalterlicher Beschreibungen und genauer Objektbetrachtung dem Überlieferungszustand eines Werks auf die Spur kommt.
In einem zweiten Schritt wird das Seminar in die Methoden und Werkzeuge der digitalen Erschließung von Kulturgütern einführen. Im Mittelpunkt steht dabei die Fragestellung, wie die zuvor ermittelten Informationen in eine digitale Form übersetzt und online veröffentlicht werden können. Die Grundlage dafür bietet das digitale Bildarchiv des Corpus Vitrearum Medii Aevi (CVMA), eines internationalen Projektes, das sich mit der Erfassung und Erforschung mittelalterlicher Glasmalerei beschäftigt und sich auch für deren digitale Repräsentation engagiert. Um die Glasmalereien in ihrem räumlichen Kontext in interaktiven Online-Präsentationen für ein breites Publikum erschließen zu können, wurde das digitale Forschungsmodul Mittelalterliche Glasmalereien im Kontext (unter Beteiligung beider Dozentinnen) entwickelt. Ziel des Seminars ist es, für die Glasmalereien der Marienkirche gemeinsam eine solche Präsentation zu konzipieren und in Teilen auch selbst zu erstellen.
Es ist ein ganztägiger Ortstermin in Frankfurt (Oder) geplant. Die Sitzungen im Juli werden als workshopartige Blockveranstaltungen stattfinden, in denen die Online-Präsentation gemeinsam vorbereitet wird. Die terminliche Koordination dieser mehrstündigen Blocksitzungen kann mit den Teilnehmenden abgestimmt werden und ggf. auch an anderen Tagen stattfinden. Aufgrund des zeitlichen Umfangs und der breitgefächerten Zusammensetzung des Seminars aus wöchentlichen Sitzungen, einer Exkursion und anschließenden Praxisübungen ist die Veranstaltung in der Summe auf 4 SWS ausgelegt und es können mit der Beteiligung am Seminar zwei Modulbestandteile (innerhalb der angegebenen Module) absolviert werden. Die Teilnahme ist u. a. wegen der Pandemievorkehrungen auf 15 Plätze beschränkt.
Einführende Literatur
Corpus Vitrearum Deutschland, Mittelalterliche Glasmalereien im Kontext [https://corpusvitrearum.de/glasmalerei-im-kontext.html; Bürger - Pfarrer - Professoren. St. Marien in Frankfurt (Oder) und die Reformation in Brandenburg, Ausstellungskatalog Frankfurt 2017, hg. v. M. Deiters u. G. Kemmether, Dresden 2017; Der Antichrist. Die Glasmalereien der Marienkirche in Frankfurt (Oder), hg. v. U. Knefelkamp u. F. Martin, Leipzig 2008; Eva Frodl-Kraft, Die Glasmalerei. Entwicklung, Technik, Eigenart, Wien/München 1970; Ute Bednarz u. a., Die mittelalterlichen Glasmalereien in Berlin und Brandenburg (CVMA Deutschland XXII), Berlin 2010, I, S. 405–485, II, Abb. 312–470 [https://corpusvitrearum.de/publikationen/editionen/editionen/cvma-xxii.html].
- Trainer/in: Lars Alexander Hemmerich
- Trainer/in: Stephanie Schüler
- Trainer/in: Milena Ingrid Maria Soquat
- Trainer/in: Paula Wunderlich