Peter Remmers

Di. 10-12 - Beginn 19.04.2022

Der erste Termin am 19.04. findet online per Zoom-Meeting statt. Der Zoom-Link für die Sitzung wird in Kürze an dieser Stelle bekannt gegeben.

Alle weiteren Termine finden in Raum H 3012 statt.

Zum Seminar:

Die interdisziplinäre Forschungsrichtung der Kognitionswissenschaft(en) (cognitive science) folgt konzeptionellen, methodischen und experimentellen Paradigmen, die bisher sehr erfolgreich sind, zugleich aber aus bestimmten philosophischen Traditionen heraus grundsätzliche Kritik erfahren haben. Dabei hat die wissenschaftliche Auseinandersetzung einerseits zu produktiven Weiterentwicklungen geführt (beispielsweise zu Ansätzen der verkörperten Kognition), andererseits aber auch zu scheinbar unlösbaren Gegensätzen.

Im Seminar werden zwei Argumentationslinien genauer betrachtet und diskutiert: Zunächst die von Ludwig Wittgensteins Philosophie inspirierte Kritik der konzeptionellen Grundlagen der Neurowissenschaften, wie sie erstmals 2003 ausführlich von M.R. Bennett und P.M.S. Hacker formuliert wurde. Die zweite philosophische Richtung, die im Seminar zur Sprache kommen soll, ist die Phänomenologie. Sie wendet sich beispielsweise gegen die Reduktion der Kognition bzw. des Gehirns auf informationsverarbeitende Funktionen und betont die besondere Rolle der Subjektivität für den menschlichen Weltbezug.

Bei der gemeinsamen Lektüre im Seminar stehen nicht die klassischen Fragen und Positionen der Philosophie des Geistes im Vordergrund. Die Schwerpunkte der Diskussion sollen vielmehr auf der Bedeutung und den Konsequenzen der philosophischen Argumentationen für die wissenschaftlichen Arbeiten in den Kognitions- und Neurowissenschaften liegen. Dabei geht es auch um praktische Fragen, beispielsweise inwiefern kritische philosophische Haltungen eine Rolle bei der interdisziplinären Zusammenarbeit von Philosophen und Kognitions- & Neurowissenschaftlern spielen können. Außerdem wird ein Blick auf aktuelle Debatten um Technologien der künstlichen Intelligenz geworfen, die stark vom kognitionswissenschaftlichen Paradigma geprägt sind und in Form von technischen Anwendungen konkrete Auswirkungen auf unsere Lebenswelt haben.

Voraussetzung für die Teilnahme sind gute Englischkenntnisse. Von Vorteil sind ebenfalls Grundkenntnisse entweder aus der Philosophie des Geistes oder aus den Kognitions- bzw. Neurowissenschaften.

Literatur (u.a.):

Bennett, M.R. & Hacker, P.M.S.: Philosophical Foundations of Neuroscience, Second edition (2022) (First edition 2003)

Fuchs, T.: Verteidigung des Menschen (2020)