Die 1983 publizierte ›Generative Theory of Tonal Music‹ (GTTM) Fred Lerdahls und Ray Jackendoffs – eine Theorie, die bestimmte Grundgedanken der Schichtenlehre Heinrich Schenkers mit Ansätzen aus Musiktheorie, Gestaltpsychologie, Kognitionswissenschaft und Linguistik verbindet – ist die wohl am häufigsten zitierte musiktheoretische Publikation der letzten 40 Jahre. Die intensive Rezeption der GTTM in der Musikpsychologie verdankt sich insbesondere ihrem Anspruch, eine empirisch überprüfbare Theorie der Kognition musikalischer Strukturen zu formulieren. Und ihr Versuch, die Schichtenlehre Schenkers, die Schenker selbst nicht als Wissenschaft, sondern als Kunst begriffen wissen wollte, wissenschaftlichen Standards zugänglich zu machen, hat eine Vielzahl von weiterführenden Theoriebildungen auch im Bereich der Musiktheorie motiviert. Allerdings war und ist die GTTM etlichen kritischen Einwänden ausgesetzt. Eingehender zu beleuchten sind daher unter anderem das Hierarchiemodell der GTTM, die epistemologische Tragfähigkeit des Konstrukts des ‚erfahrenen Hörers‘ sowie die Frage nach angeborenen und somit universellen Prinzipien der kognitiven Verarbeitung musikalischer Strukturen.