Do., 14:15-17:30 Uhr, zwei-wöchentlich

Raum/Online: Zoom-Veranstaltung

Beginn: 21.10.2021

Den Wandel von einer jungen, wachsenden Gesellschaft zu einer alternden, schrumpfenden durchlaufen alle Industriegesellschaften. Bei Chinas nachholender Industrialisierung verläuft dieser Prozess allerdings besonders schnell und zugespitzt, nicht zuletzt als Folge der drei Jahrzehnte lang praktizierten Ein-Kind-Politik. Wenn wir uns die Schwierigkeiten im Umgang mit dem Altern in den europäischen Gesellschaften vergegenwärtigen, wird deutlich vor welchen Herausforderungen die chinesische Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten steht. Im Rahmen von 7 Halbtages-Veranstaltungen (je 4 SWS) wollen wir die verschiedenen Facetten dieser Dynamik beleuchten. So weit wie möglich, werden wir dabei Beiträge aus Literatur und Kunst als Anschauungsmaterial miteinbeziehen.

Einführende Literatur:

Guo Haixin (2019): „Silbergrün” – ein neuer Projekttypus zur Förderung der Gebäude—bezogenen urbanen Landwirtschaft in China, Diss. Fak. 6, TUB

Mo Yan (2013): Frösche. Roman. Übersetzt aus dem Chinesischen von Martina Hasse.
Carl Hanser Verlag, München: Carl Hanser

Scharping, Thomas (2014): Bevölkerungspolitik und demographische Entwicklung, in: Fischer, Doris und Müller-Hofstede, Christoph (Hrsg.): Länderbericht China, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 67 – 100

Texte von und über Yi Fuxian, leicht zu erschließen im internet.

Zum Verlauf der Sitzungen:

  1. Einführung in das Seminar, Verteilung der Referate und Einführung in das Thema: Demographischer Wandel – die globale Dimension. (Johannes, Haixin und Tania)
  2. Das Altern in der Geschichte: Chinas Bevölkerungswachstum von der Ming-Zeit bis zur Republik. Demographie als Politikum: Ma Yinchu versus Mao Zidong. Die Zweiteilung der Bevölkerung seit 1958. Familienplanung (Ein-Kind-Politik) und ihre sozialen Implikationen. (Johannes und Tania)
  3. Stadt-Land Gefälle: Der demographische Wandel in den Städten und in den ländlichen Regionen und ihre Folgen. (Die Studien von Neil Howe (2004) und Yi Fuxian (2012)). Die Folgen des frühen Renteneintrittsalters und die späte Institutionalisierung der Gesundheits- und Altersversorgung; Ausländische Vorbilder und ihre Relevanz für China. (Johannes und Haixin)
  4. Die VRCh auf dem Wege zu einem welfare state/Sozialstaat? Welche Segmente der Bevölkerung können mit einer angemessenen Altersversorgung rechnen, für welche ist sie kaum oder gar nicht gegeben? Zur Situation der überlasteten Familien. Bietet die gegenwärtige zwei Kind- bzw. 3-Kind-Politik einen Ausweg? (Haixin)
  5. Wohnen im Hochhaus, Altwerden im Hochhaus. Effektive, aber nicht effiziente Urbanisierung. Gebäudeleerstand als Potential für ein altersgerechtes Leben? Klimawandel und Alterung als Rahmenbedingungen für neue Formen städtischer Selbstversorgung mit frischen Lebensmitteln. Lokale Selbstorganisation im Konflikt mit Immobilien-Unternehmen, der Stadtverwaltung und der Partei.  Die 3-N-Alten als Opfer der Modernisierung (früh gealtert, niedrige Qualifikation, niedriges Renteneintrittsalter, niedriges Einkommen/niedrige Rente). Wie agieren angesichts leerer Rentenkassen? Eigenständigkeit der alternden Generation als sozialer Imperativ? Silbergrün als Alternative? (Haixin und Johannes)
  6. Gesundheit im Alter und der Umgang mit dem letzten Lebensabschnitt. Hospizwesen in China. KI als Unterstützer im Alter: prädiktive und personalisierte Medizin, Telemedizin, KI gestützte Altersversorgung. (Tania)
  7. Zusammenfassung und ein Blick in die Zukunft des Alterns in China und in Europa. (Johannes, Haixin und Tania)