Alles „Babylon Berlin“? Teil III: Jüdische Sammler*innen und Mäzenat*innen im Berlin der 1920er Jahre: Quellenmaterial zu biographischen Daten und digitale Erschließung

Freitag 9-12 Uhr (zweiwöchentlich)

Prof. Dr. Meike Hopp

BA-KulT KUWI 3, 7, Freie Wahl (ab dem 4. Semester)

MA-KUWI 2, 3a, 4

„Von Untergegangenem kann deshalb gesprochen werden, da hier nicht nur ein Wissen über eine bestimmte Kultur verloren gegangen ist, sondern die Kultur selbst einschließlich des Wissens über sie. Was der Erste Weltkrieg, die Inflation, die Verkäufe ins Ausland und alle Negativkräfte zusammen nicht vermochten, hat der Faschismus der deutschen Nationalsozialisten [...] binnen weniger Jahre erreicht, nämlich die Auslöschung bürgerlicher wie bildungsbürgerlicher Kultur.“ So schreibt Enno Kaufhold in der Einleitung des 2013 erschienenen Fotobandes „Berliner Interieurs 1910–1930. Fotographien von Waldemar Titzenthaler“ (S. 17) und schließt mit einem Zitat des Fotohistorikers Janos Frecot „Wir Zurückgebliebenen gleichen Konservatoren eines Geplünderten Museums, und es ist gut zu wissen, um wie vieles wir ärmer geworden sind.“ (Franz Hessel: Spazieren in Berlin. München 1968, S. 255)

Auch der mit Fotografien aus dem Nachlass von Marta Huth (1891–1984) herausgegebene Band „Berliner Lebenswelten der zwanziger Jahre“ (1996) oder aber die 2018 erschienene Publikation zur „Berliner Kunstmatronage“ (2018) skizzieren eine überaus lebhafte – vor allem auch jüdische – Berliner Kunstliebhaber*innenklientel der 1920er Jahre und geben biographische Informationen zu vieleln längst vergessenen Mäzenat*innen und Sammler*innen. Aber wieso sind bis heute so viele Namen unbekannt geblieben? Während z.B. der Rekonstruktion der Adolf-von-Menzel-Sammlung des Bankiers und Kunstsammlers Ludwig Ginsberg inzwischen ein an der TU Berlin angesiedeltes Projekt gewidmet ist, ist über die Menzel-Sammlung des Verlegers Otto Liebmann (1865­­­–1942) bis heute kaum etwas bekannt.

In sechs Blocksitzungen werden wir uns mit Expert*innen aus verschiedenen Bereichen austauschen und der Frage nachgehen, wie wir mit dem Wissen um die „untergegangene Kultur“ umgehen können. Neben der reinen Bestandsaufnahme überlegen wir gemeinsam mit den geladenen Expert*innen, wie wir das vereinzelte Wissen um diese Sammlungen bündeln und digital aufbereiten können, aber auch welche Methoden zum tragen kommen, um biographische Angaben zu Sammler*innen einem erweiterten Erkenntnisinteresse (u.a. im Kontext der Provenienzforschung) zukommen zu lassen.

Das Seminar wird alle zwei Wochen online stattfinden. Die einführende Sitzung findet am 23. April 2021 statt. Der Zoom-Link wird zu Beginn des Semesters im Seminarraum auf ISIS eingestellt. Weitere Details zu den Terminen werden zu Beginn des Semesters auf ISIS bekannt gegeben.