dienstags 14-16 h

Leitung: Dr. Andrea Meyer

Die Corona-Pandemie schränkt unsere Mobilität drastisch ein und macht grenzüberschreitende Reisen unmöglich – höchste Zeit also, sich auf die Spuren reisender Künstler/-innen zu begeben und mit ihnen die Welt zu erkunden. Was bewog Kunstschaffende dazu auf Reisen zu gehen? Welche Hoffnungen verbanden sich mit ihrem Aufbruch, welche Begegnungen suchten sie in der Ferne? Lassen sich bevorzugte Reiseziele und -motive ausmachen? Inwiefern prägte das Unterwegssein künstlerische Arbeitsprozesse?

Ausgehend von diesen Fragen werden wir den Bogen von beschwerlichen Künstlerwanderungen in Mittelalter und früher Neuzeit bis zu Fernreisen in der Moderne schlagen, deren Realisierung durch den systematischen Ausbau der Handelsbeziehungen seit dem 15. Jahrhundert und die expandierende Kolonialherrschaft Europas im 19. Jahrhundert erleichtert wurde. Wirtschaftliche Interessen und politische Rahmenbedingungen berücksichtigend, untersuchen wir unterschiedliche Medien wie Zeichnungen, Graphiken, Gemälde und Fotografien. Dabei loten wir aus, ob die auf Reisen entstandenen oder im Nachhinein angefertigten Arbeiten dokumentarischen Charakter haben, Gattungskonventionen verpflichtet sind, idealisierende Sichtweisen oder doch auch stereotype Projektionen darstellen, die, befeuert von Diskursen in der „Heimat“, nicht unbedingt auf die Reiseerfahrungen selbst zurückgehen. Nicht zuletzt gilt es also, sich kritisch mit dem Topos der Künstlerreise auseinanderzusetzen.

Einführende Literatur: Arnhold, Hermann (Hg.), Orte der Sehnsucht: Mit Künstlern auf Reisen, Regensburg 2008; Otterbeck, Christoph, Europa verlassen: Künstlerreisen am Beginn des 20. Jahrhunderts, Köln u.a. 2007, Rees, Joachim. Künstler auf Reisen: Von Albrecht Dürer bis Emil Nolde, Darmstadt 2010; Tacke, Andreas, Birgit Ulrike Münch, Markwart Herzog, Sylvia Heudecker und Thomas Schauerte (Hg.), Künstlerreisen: Fallbeispiele vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Petersberg 2020.

Das Seminar findet online statt.

Module: BA KW 2, 3