
Die Verschränkung von technischer Expertise und Planung mit politischer Macht hat wohl
keine Periode stärker geprägt als das 20. Jahrhundert, welches auch als „Ära der Technokratie“
und als Epoche der „technokratischen Hochmoderne“ beschrieben wird. Mit der Technokratie
verbanden sich im gesamten 20. Jahrhundert Hoffnungen und Ängste, gesellschaftliche Utopien
und konkrete politische Programme, die wir in unserem Seminar anhand der Lektüre von
Quellen und Sekundärtexten ergründen wollen.
Wir werden uns mit den historischen Wurzeln der Technokratie beschäftigen und konkrete
Modelle und Programme wie die US-amerikanische Tennessee-Valley-Authority oder
sowjetische Großplanungen kennenlernen. Wir werden uns mit dem utopischen Gehalt
technokratischer Entwürfe befassen und die Grenzen der Technokratie ausloten, wie sie sich in
Form von gescheiterten Großplanungen, der Kritik an der Unmenschlichkeit moderner
Technologie oder in alltäglichen Reibungen und Konflikten zwischen technokratischen
Planungen und ihren tatsächlichen Nutzer*innen zeigten. Anhand dieser Themen werden wir
uns zentrale Arbeiten aus der Technikgeschichte, Infrastrukturgeschichte und angrenzenden
Bereichen erschließen, um ein vertieftes Verständnis vom Verhältnis von Technik und Politik
zu erlangen.
Literatur:
van Laak, Dirk: Weiße Elefanten. Anspruch und Scheitern technischer Großprojekte im 20.
Jahrhundert, Stuttgart 1999.
van der Vleuten, Erik u.a.: Engineering the future, understanding the past. A social history of
technology, Amsterdam 2017.
- Trainer/in: Katharina Busch
- Trainer/in: John Jeremy Damm
- Trainer/in: Fabian Thorsten Zimmer