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Wohnen zählt zu den zentralen sozialpolitischen Fragen unserer Zeit. Überall mangelt es an bezahlbarem und bedarfsgerechtem Wohnraum, besonders vulnerable und einkommensschwache Gruppen sind betroffen. Während Wohnen aus marktwirtschaftlicher Perspektive als Vermögenswert betrachtet wird, bildet es zugleich die Grundlage für soziale Reproduktion und gesellschaftliche Teilhabe. Der Zugang zu Wohnraum bestimmt auch den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung, Kultur und Arbeit sowie die Möglichkeiten für Selbstbestimmung und Gemeinschaftsbildung.

Mit Bezug auf das Konzept Unlearning wird im Bachelor Projekt der Frage nachgegangen, wie Wohnen für alle so gestaltet werden kann, dass es nachhaltig, bezahlbar ist und Räume für Solidarität, Gemeinschaft sowie nachbarschaftliche Interaktion eröffnet. Das Konzept des Unlearning, das in der feministischen Theorie und den postkolonialen Studien verankert ist, lädt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnen ein sowie zur Entwicklung kreativer und radikaler Ansätze, Wohnen neu zu denken. Thematisiert werden unter anderem Finanzialisierung des Wohnraums, sozialer Wohnungsbau, temporäres Wohnen, Wohnen im Kontext von Migration und Flucht sowie die sozial-ökologischen Dimensionen des Wohnens. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit den politischen Kämpfen um Wohnraum und Konflikten rund um das Thema Wohnen. Zudem werden alternative Wohn- und Planungsmodelle diskutiert, die auf eine sozial gerechte, solidarische und gemeinschaftsorientierte Gestaltung von Wohnraum und Quartierleben abzielen.

Im praktischen Teil werden theoretische Ansätze und partizipative sozial-geographische Forschungsmethoden im Berliner Stadtteil Westend erprobt. Rund um den Branitzer Platz sind in den kommenden Jahren größere Gemeinschaftsunterkünfte (GU) geplant, etwa in der Soorstraße mit ca. 950 Plätzen in ehemaligen Bürogebäuden. Zwar wurde die Ansiedlung von GUs politisch diskutiert und von einigen Anwohner:innen infrage gestellt, jedoch bieten andere, mit der Initiative Ulme 35, die Möglichkeit, das Quartier interkulturell zu gestalten und gemeinsam die Nachbarschaft und das Wohnen im Quartier für alle zu gestalten. Die Studierenden sind eingeladen, ihre Ideen aktiv einzubringen, um Wohnraum im Quartier zu erforschen, mitzugestalten und zukunftsfähige Wohnkonzepte zu entwickeln.

THESIS-KOLLOQUIUM 

Fachgebiet Soziale Kohäsion, Diversität und Migration in der räumlichen Planung

Das Thesis-Kolloquium findet regelmäßig dienstags, von 14.45 bis 16.15 Uhr in Raum A 813 (Architekturgebäude) statt. Die kommenden Termine im Wintersemester 2025/26 sind:

  • 21.10.2025
  • 18.11.2025
  • 16.12.2025

Eine regelmäßige Teilnahme durch alle, die momentan ihre Abschlussarbeit an unserem Fachgebiet schreiben, ist erwünscht.

Bei jedem Termin können zwei Personen ihren Arbeitsstand vorstellen. Bitte tragt euch selbstständig in die untenstehende Liste ein.