Kurser
Die Soziologie ist eine vergleichsweise junge Wissenschaft. Sie konnte überhaupt erst in einer modernen Gesellschaft entstehen, die sich aus dem Glauben an göttlich-metaphysische Kräfte des Schicksals befreit und sich erstmals als selbstbestimmt und gestaltbar verstanden hatte. Dieser Wunsch nach Lenkung von Gesellschaft war wiederrum entschieden verbunden mit beginnenden Vorstellungen einer 'Störung' und 'Krankheit' des gesellschaftlichen 'Organismus' gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Soziologie wird deshalb seit jeher auch als eine Krisenwissenschaft betrieben. Das Seminar möchte sich dem Verhältnis von Soziologie und Krise in vielfältiger Hinsicht nähern: Wir wollen nicht nur einen Blick auf die Entstehungsgeschichte der Soziologie werfen und uns eine Reihe von historischen Krisendiagnosen anschauen (I), sondern auch Fragen, inwiefern gerade die Soziologie für Krisenbeschreibungen prädestiniert ist, wie sich die Soziologie alltäglichen Krisenkonstruktionen methodologisch zuwendet (II), oder welche Vorschläge die öffentliche Soziologie aktuell zur 'Rettung der Welt' bereit hält (III).
Das Seminar wird als Blockveranstaltung an drei Samstagen von 9 bis 17 Uhr gehalten. Vorab wird es zwei reguläre Sitzungen geben (25.5. und 8.6.), in denen passende Termine ausgehandelt werden. Da es sich um ein Blockseminar handelt, muss strengstens auf die Anwesenheitsglicht bestanden werden, sonst kann kein erfolgreicher Abschluss erfolgen.
LV-Nummer: 06371300 L 30
- Trainer/in: David Joshua Schröder
- Trainer/in: Frederike Julia Brandt
- Trainer/in: Ricarda Frieda Kaiser
Vertiefung soziologische Theorie (6 ETCS)
Soziologie der Performance
Dozentin: Frederike Brandt
Montags 10-12 Uhr
Erster Termin 17.04.2023
Raum: FH 316
Voraussetzung zur Erlangung eines Leistungsnachweises:
· Regelmäßige, aktive Teilnahme im Seminar
· Referat und Handout
· Ausarbeitung mit empirischem Bezug
Seminainhalte:
Die Soziologie der Performance ist ein Teilgebiet der Soziologie und der Performance Studies, das sich mit der Analyse und Erforschung der Beziehung zwischen Performances (Darstellungen) und sozialen Prozessen befasst. Es untersucht, wie Performance dazu beiträgt soziale Beziehungen und Soziales auszudrücken, zu formen und zu reproduzieren.
Diverse Formen der Performance werden fokussiert, einschließlich Theater- und Tanzperformance, aktivistische Performance aber auch alltägliche Handlungen und Interaktionen, die als Performances betrachtet werden können, wie zum Beispiel politische Reden oder religiöse Rituale.
Dabei beschäftigt sich die Soziologie der Performance auch mit der Rolle von Publikum und Zuschauer*innen bei der Konstruktion von Bedeutungen in Performance-Situationen. Es untersucht, wie das Publikum durch seine Anwesenheit, Reaktionen und Interpretationen der Performance selbst eine aktive Rolle in der Konstruktion von Bedeutungen und Identitäten spielt.
In dem Seminar werden wir Texte lesen, die sich mit Darstellungen und performativen Interaktionen beschäftigen. In einem zweiten Teil werden empirische Untersuchungen und Reflexionen zu Performances von den Teilnehmenden selbst angefertigt und vorgestellt. Diese werden dann unter Bezugnahme zur Seminarlektüre in einem Essay ausgearbeitet.- Trainer/in: Frederike Julia Brandt
- Trainer/in: Ricarda Frieda Kaiser
LV: Lektüreseminar "Studien zur Ethnomethodologie"
- Titel des Moduls: Vertiefung soziologischer Theorie (siehe Modulhandbuch)
- Modulverantwortlicher: Prof Dr. Hubert Knoblauch
- Dozent: Dr. René Wilke
- Leistungspunkte: 6
- Prüfungsart: Portfolioprüfung (benotet)
- Ansprechpartner: Dr. René Wilke, E-Mail-Adresse: r.wilke@tu-berlin.de
Kurzdarstellung: In dem Seminar wird das in der Soziologie überaus einflussreiche Hauptwerk von Harold Garfinkel "Studies in Ethnomethodology" in der 2020 erschienen deutschsprachigen Übersetzung vollständig gelesen. Harold Garfinkels Buch "Studies in Ethnomethodology" gilt als ein bahnbrechender Text der Soziologie, der die Art und Weise revolutionierte, wie wir über soziale Interaktion und Alltagsphänomene nachdenken. Garfinkel fordert die traditionelle Sichtweise der Soziologie heraus, indem er die Bedeutung der praktischen Rationalität im menschlichen Handeln betont und zeigt, wie soziale Strukturen durch individuelle Handlungen und Interaktionen aufrechterhalten werden. Durch die Lektüre von Garfinkels Werk lassen sich daher neue Perspektiven auf die soziale Welt gewinnen und die Bedeutung von alltäglicher Interaktion neu bewerten.
Den Teilnehmer*innen wird die Anschaffung des deutschen Textes daher dringend empfohlen. (Harold Garfinkel, 2020. Studien zur Ethnomethodologie. Aus dem Englischen von Brigitte Luchesi. Herausgegeben von Erhardt Schüttpelz, Anne Warfield Rawls & Tristan Thielmann. Campus Verlag.)
- Trainer/in: René Wilke
Lynn Sibert
Montags, 16-18 Uhr, Raum FH 311
Der Begriff der „Weltanschauung“ ist ein zentrales Konzept seit den Anfängen der Wissenssoziologie und verweist auf den Zusammenhang zwischen sozialen Positionen und umfassenden Denkmustern, die handlungsorientierend wirken und unterschiedliche teils konkurrierende Ansprüche der Weltdeutung stellen. Damit sind Fragen nach Strukturen und Typen von Wissenssystemen und deren Legitimationsgrundlagen verbunden. Das Weltanschauungskonzept hat vor allem für die Erweiterung bzw. Reformulierung des Religionsbegriffs breite Anwendung gefunden, um zunehmend plurale und individualisierte säkulare wie religiös-spirituelle Weltansichten und Überzeugungen außerhalb der Grenzen institutionalisierter kirchlich organisierter Religionen Rechnung zu tragen. Zugleich werden Weltanschauungen als Sammelbegriff herangezogen für kulturelle Deutungsmuster, Norm- und Wertevorstellungen, politische Ideologien, typologische Unterscheidungen von Wissensformen oder neue Formen der Spiritualität, wobei analytisch Abgrenzungen häufig unklar bleiben. Zugleich zeigt sich auch vermehrt eine neue zeitdiagnostische Relevanz mit Blick auf Arbeiten zu verschwörungstheoretischem Denken und politischen Radikalisierungstendenzen. Welchen analytischen Beitrag kann der Weltanschauungsbegriff hierbei leisten? Welche theoretischen sowie methodischen Ansätzen liegen hierzu vor? Und was sind Weltanschauungen? Diese Fragen werden wir im Seminar bearbeiten und dafür in einem ersten Teil theoretische Grundlagentexte (Diltheys Weltanschauungslehre, politischen Denkstilen und Weltanschauungsanalyse bei Mannheim etc.) bearbeiten. Die Tragfähigkeit und aktuelle (wissens-)soziologische Relevanz des Weltanschauungsbegriffs soll dann in einem zweiten Teil mit Blick auf aktuelle Forschungsbeiträge und empirische Analysen zu u.a. Verschwörungsdenken, Spiritualität und Antisemitismus sowie politischen Radikalismus gegenwartsbezogen diskutiert werden.
Voraussetzung zur Erlangung eines Leistungsnachweises (3LP):
·
Regelmäßige, aktive Teilnahme
·
Referat (mit Handout)
- Trainer/in: Lynn Felicitas Sibert
Dienstags, 12-14 Uhr, FH 313
Das themenoffene Lehrforschungsprojekt gibt den Studierenden die Möglichkeit innerhalb zweier Semester (Sose 2023-WiSe 23/24) ein eigenes (qualitatives) empirisches Vorhaben zu konzipieren, eigene Feldforschung durchzuführen und anhand eines Lehrforschungsberichts den Forschungsprozess auszuwerten sowie zu reflektieren. Erhebungsmethode und Themen der Projekte können frei gewählt werden. Das Seminar begleitet die Erarbeitung des eigenen Projekts von der Themenfindung und -eingrenzung, der Organisation von Feldaufenthalten, unterschiedliche qualitative Erhebungsmethoden und Dokumentation bis hin zur Datenauswertungen. Dafür werden gemeinsam Studien aus dem Bereich der Sozialanthropologie, Ethnografie und qualitativen Sozialforschung besprochen, um mögliche Forschungsdesigns, Feldzugänge und Datenerhebungen zu diskutieren. Die Veranstaltung richtet sich sowohl an Studierende, die bereits Daten gesammelt haben als auch an Studierende, die ihre Themenideen noch entwickeln. Die Lehrforschungsprojekte können alleine oder in Gruppen durchgeführt werden. Anbindungen an laufende/geplante Projekte des Lehrgebiets (bspw. zum gemeinsamen Singen im Chor) sind zudem möglich und können zu Semesteranfang besprochen werden. Die Studierenden sind daher aufgefordert, neben der regelmäßigen, aktiven Teilnahme und Vorbereitung der Seminarlektüre, relevante Fragen oder Herausforderungen aus ihren laufenden Projekten in das Seminar einzubringen und in einer Zwischenpräsentation am Ende des Semesters vorzustellen. Teil des Lehrforschungsmoduls ist ein Methodenseminar, das im Anschluss an die Sitzungen dienstags 16-18 in Raum MAR 0.010 stattfindet.
Voraussetzung zur Erlangung eines Leistungsnachweises
·
Regelmäßige, aktive Teilnahme
·
Besuch des begleitenden Methodenseminars (Di,
16-18)
·
Zwischenpräsentation über das eigene
Forschungsprojekt
- Trainer/in: Lynn Felicitas Sibert
- Trainer/in: Ricarda Frieda Kaiser
- Trainer/in: Tom-Joshua Sauerländer
- Trainer/in: David Joshua Schröder
- Trainer/in: Ricarda Frieda Kaiser
- Trainer/in: Tom-Joshua Sauerländer
- Trainer/in: David Joshua Schröder

- Trainer/in: Ricarda Frieda Kaiser
- Trainer/in: Simon Lafontaine
Mittwoch 10-12
Raum FH 302
Hubert Knoblauch
2023 jährt sich die Gründung des Frankfurter Instituts für Sozialforschung zum 100. Mal. Das wollen wir zum Anlass nehmen, um einmal die Kritische Theorie in einem Lektüreseminar eingehender zu behandeln. Dabei sollen zunächst die tragenden und „klassischen“ Autoren und Autorinnen der Frankfurter Schule im Vordergrund stehen, von denen wir in einer zeitlichen Abfolge exemplarische Texte lesen werden (Horkheimer, Adorno, Fromm, Marcuse). Im Anschluss sollen auch neuere Arbeiten behandelt werden (können), die die kritische Theorie fortsetzen (Habermas, Honneth, feministische Theorien) oder in einer besonderen Weise daran anschließen (Boltanski, Rosa u.a.).
Die Veranstaltung findet im Modul „Kommunikation und Gesellschaft“ statt. Zu erwerben sind 6 Leistungspunkte durch mündliche und schriftliche Beiträge. Dazu gehören ein Referat, dessen schriftliche Ausarbeitung (einschließlich der dazu gehörenden Seminar-Diskussion), sowie die aktive Teilnahme an den Diskussionen der anderen Referate und Beiträge.
Voraussetzungen für den Leistungserwerb: regelmäßige Teilnahme, sowie Lektüre der gemeinsamen Texte (die mit Asterisk markiert sind).
- Trainer/in: Ricarda Frieda Kaiser
- Trainer/in: Hubert Knoblauch