Kurzy

ln seinem Buch Against Architecture nennt Denis Hallier "die architektonische Zwangsjacke" die Ordnung, die von Architektur erschaffen wird und der der Mensch nicht entkommen kann. Architektur als Konzept kann hier entweder nur das Gebaude selbst beschreiben oder das allgemeine System eines bestimmten Raums oder einer Stadt darstellen. Wie in Halliers Fall wollen wir die Frage stellen, welche Kontroversen wir in der Architekturtheorie untersuchen können, um unsere Vorstellungen davon, was richtig und falsch ist, auf die Probe zu stellen. Können wir zu einem neuen Verständnis der Architektur kommen, wenn wir die kühnen Hypothesen, für die Architekt*innen und Wissenschaftler*innen im Laufe der Geschichte gestritten haben, aktiv diskutieren?

Diesen und vielen weitere Fragen wollen wir wieder sprechen, in dem wir uns mit Texten aus der Architek­turgeschichte auseinandersetzen, die sich gegen ein bestimmtes Thema stellen oder dieses ablehnen. Gemein­sam werden wir versuchen, lnteresse an der Theorie zu wecken, mehr über die größten Kontroversen in der Archi­tektur zu erfahren und offen über die Themen diskutieren, die uns in der Architektur bewegen. 

Ein Entwurfs- und Realisierungsprojekt eines 150 m2 großen öffentlichen Pavillons zur Aufwertung der Ufer der Flüsse Tahuando und Ambi als Verbindungsachsen zwischen den Städten Ibarra und Cotacachi in Ecuador.

Gemeinsame internationale Forschung mit den Universitäten PUC (Pontificia Universidad Católica de Chile) und PUCE (Pontificia Universidad Católica del Ecuador) als lokale Experten und der TUB als externe Perspektive. 

Der Schwerpunkt des Semesters liegt auf der typologischen Untersuchung der Architektur des Zusammenkommens. Vorgesehen sind variable Nutzungen, die von der reinen Begegnungsstätte oder Freizeiteinrichtung bis hin zu Orten der Umweltbildung u.a. reichen. 

Die Grundlagen, die eine Gemeinschaft ausmachen, werden analysiert und eine architektonische Tatsache wird in Übereinstimmung mit einem modularen, beweglichen und autarken konstruktiven Projekt entwickelt, deren Auswirkungen auf das Territorium mit dem Kontext eines urbanen Flusses übereinstimmen. 

Es werden Baupraktiken untersucht, die von lokalen Experten vermittelt werden, wie z. B. „Pared en tierra“, Guadua, Bambus, „Pared de mano“, Holz und andere, zusammen mit Anwendungsübungen. Es werden Möglichkeiten für die Beteiligung künftiger Nutzergemeinschaften erforscht und entwickelt.


lm öffentlichen Bewusstsein nimmt die Vereinzelung im Wohnen stetig zu. Wohnungen für größere Gruppen und vor allem Familien verlieren an Anteil, Wohnungen für Paare und var allem einzelne Personen werden über­proportional nachgefragt und deshalb auch gebaut. Auf absehbare Zeit mag das so bleiben. Nichtsdestotrotz ist aber die Nachfrage nach gemeinschaftlichem und/oder [groß-]familiarem Wohnen existent. 

Wir werden deshalb in diesem Semester Wohnraum ent­werfen, der andere soziale Gefüge beherbergen kann und dabei neben der räumlichen auch die zeitliche Komponen­te des Wohnens berücksichtigt. Diverse Konstellationen von Menschen und die [a priori nicht konvergierenden] räumlichen Konsequenzen ihrer Wohnbedürfnisse werden untersucht. Das Gemeinsame wird die Architektur sein. Wir bestehen darauf, dass die Ansätze möglichst weit getrieben und erprobt werden. Konventionen müssen hinterfragt und vielleicht aufgelöst, neu kombiniert oder erfunden werden. Zum Beispiel im Sinne Perecs, der vorschlagt, jeden Tag der Woche eine andere Wohnung zu beziehen? Ertragbare oder erwünschte Verschiebungen des individuellen Lebens hin zu gemeinschaftlichen Tätig­keiten könnten eine weitere Möglichkeit sein. 

Da wir ein Ensemble von mehreren Hausern entwerfen, können wir nicht nur über das Zimmer, die Wohnung oder das Geschoss, sondern auch über das Haus hinaus den­ken und die Begrenzungen verschwimmen lassen.

Der legendäre BUFA Filmcampus, dessen erstes Studio 1912 erbaut wurde, soll in einen inspirierenden, urbanen Ort verwandelt werden, an dem Menschen unterschied­licher Berufe und Branchen wie Filmemacher, soziale Unternehmen, Künstler, Forscher, aber auch Landwirte und Pflanzenzüchter miteinander in Kontakt kommen. Wir haben im letzten Semester eine Familie von nahezu 100 lnterventionen entworfen, die von klassischen Pavil­lons über lnfrastrukturen bis hin zu Sauna, Bar oder Kino eine große Bandbreite von Richtungen abdeckt. 

Diese ersten Bausteine der Campus-Entwicklung sind zum Teil temporärer Natur, zum Teil aber auch zur perma­nenten Nutzung. Dementsprechend reicht die Komple­xität vom gemeinsamen Selbstbau bis hin zu regulären Bauvorhaben. 

Zusammen mit den Auftraggebern werden die vielver­sprechendsten Projekte ausgewählen und dann über das kommende Semester die Realisierung vorbereiten. Dazu gründen wir im übertragenen Sinn ein kleines gemein­sames Planungsbüro als reizvolle Zwischenstufe im Übergang vom Studium zur Berufswelt. 

Die Projekte bieten sowohl noch genügend Spielraum als auch Notwendigkeit in der Weiterentwicklung, um sie im Sinne einer kollektiven Autorenschaft weiter bearbeiten zu können.