Kurzy
Der Begriff des Cyberspace ist etwas aus der
Zeit gefallen und aus der Mode geraten, bezeichnete er doch
ursprünglich digitale Räume, die losgelöst vom Raum existieren und
viele Freiheiten versprechen. In jüngster Zeit werden aber die
materiellen und objektivierten Aspekte des Netzes, die Rolle von
Infrastrukturen und von Kommunikationsmacht immer deutlicher.
Anhand ausgewählter Texte sollen (wissens-, raum- und
infrastruktur-)soziologische Perspektiven auf diese Veränderungen
diskutiert werden. Genauere Infos in der ersten Sitzung.
- Trainer/in: Rene Tuma
[Dies ist der Forschungsteil, um die Lehforschung zu besuchen kommen sie bitte verpflichtend auch in den Seminarteil]
Lehrforschung Gewalt/Interaktion/Situation – Empirischer Teil
In den vergangenen Jahren, haben Situationen in denen Gewalt „eskalierte“ große Medienaufmerksamkeit erfahren. George Floyd oder der Sturm auf das Kapitol sind nur einige Beispiele für Situationen, bei denen Videoaufzeichnungen von unterschiedlichen Gewaltsituationen eine zentrale Rolle im öffentlichen Diskurs spielen. Auch für die soziologische Forschung sind Videodaten eine Ressource für die Analyse des Entstehens und der Formen von Gewalt geworden, wodurch sich auch in den vergangenen Jahren ein erhöhtes Interesse an interaktionistischer Gewaltforschung und eine Reihe von Entwicklungen ergeben hat.
Das Lehrforschungsprojekt zielt darauf, einerseits diesen Zugang anhand vorhandener Literatur, die einerseits den Gewaltbegriff in diesem Sinne aufnimmt, Fragen nach Methodologie der Gewaltforschung und der Erklärung von Gewalt stellt, aufzunehmen. Dies wird in einem Seminarteil durchgeführt, in dem ausgewählte Literatur in diesem Bereich diskutiert wird (siehe Ankündigung).
Parallel entwickeln wir im Forschungsteil in gemeinsam (und in Kleingruppen) einzelne kleine Projekte, die konkrete Fälle videoanalytisch (oder mit geeigneten naheliegenden fall- und gegenstandsadäquaten Methoden) im Detail untersuchen. Dazu stehen bereits Datensätze von Fällen wie „Gewalt im öffentlichen Raum“ (z.B. Videos von Liveleaks und Worldstarhiphop.com), von „Polizeigewalt“ etc. zur Verfügung, es können jedoch auch eigene Beispiele eingebracht werden.
Die gründliche Behandlung methodische Fragen und eine Einführung in die Videoanalyse sind vor diesem Hintergrund Teil des Lehrforschungsseminars, erfordern jedoch auch eine selbstständige Vertiefung. Nicht zuletzt werden Fragen nach der Normativität der situativen Gewaltforschung und die Frage nach dem Erklärungspotential situationsbezogener Analysen eine Rolle spielen.
Hinweis/Triggerwarnung: Gewaltforschung setzt eine Auseinandersetzung mit Aufzeichnungen von Gewalt voraus. Diese Videos können – je nach Fall – durchaus verstörend wirken. Wir werden das reflektieren und einen sensiblen Umgang damit suchen, und von einer Bearbeitung extremer Fälle wird möglichst abgesehen.
Literatur (Auswahl):
Collins, R. (2020). Theorizing the time-dynamics of violence. Violence: An International Journal, 1(1), 166–184. https://doi.org/10.1177/2633002420907768
Hoebel, T., & Knöbl, W. (2019). Gewalt erklären! Plädoyer für eine entdeckende Prozesssoziologie (1. Auflage). Hamburger Edition, Verlag des Hamburger Insituts für Sozialforschung.
Jackson-Jacobs, C. (2013). Constructing Physical Fights: An Interactionist Analysis of Violence among Affluent, Suburban Youth. Qualitative Sociology, 36(1), 23–52. https://doi.org/10.1007/s11133-012-9244-2
Luckenbill, D. F. (1977). Criminal homicide as a situated transaction. Social Problems, 25(2), 176–186.
Tuma, R., & Knoblauch, H. (2019). Videography and Video Analysis. In P. A. Atkinson, S. Delamont, R. A. Williams, A. Cernat, & J. Sakshaug (Eds.), SAGE Research Methods Foundations. https://methods.sagepub.com/foundations
Weenink, D. (2014). Frenzied Attacks. A Microsociological Analysis of the Emotional Dynamics of Extreme Youth Violence. British Journal of Sociology, 65(3), 411–433. https://doi.org/10.1111/1468-4446.12088
- Trainer/in: Siard Nikolai Dehdarian
- Trainer/in: Pierre Düsing
- Trainer/in: Mina Godarzani-Bakhtiari
- Trainer/in: Adrian Robert Hucklenbroich
- Trainer/in: Savvoula Kontonassiou
- Trainer/in: Aaron Hermann Lang
- Trainer/in: Sheela Bianka Mallebré
- Trainer/in: Salma Soukayna Mekkes
- Trainer/in: Daniela Müller
- Trainer/in: Silas Paul Schmitt
- Trainer/in: Rene Tuma
Gewalt/Interaktion/Situation
In den vergangenen Jahren, haben Situationen in denen Gewalt „eskalierte“ große Medienaufmerksamkeit erfahren. George Floyd oder der Sturm auf das Kapitol sind nur einige Beispiele für Situationen, bei denen Videoaufzeichnungen von unterschiedlichen Gewaltsituationen eine zentrale Rolle im öffentlichen Diskurs spielen. Auch für die soziologische Forschung sind Videodaten eine Ressource für die Analyse des Entstehens und der Formen von Gewalt geworden, wodurch sich auch in den vergangenen Jahren ein erhöhtes Interesse an interaktionistischer Gewaltforschung und eine Reihe von Entwicklungen ergeben hat.
Das Seminar, das auch unabhängig von der Lehrforschung besucht werden kann gibt zunächst einen Überblick über die „neure Gewaltsoziologie“ im deutschsprachigen Raum und reflektiert ausgewählte Aspekte des Gewaltbegriffs. Der Gewaltbegriff ist schillernd und umfassend, daher wird hier eine Zuspitzung vorgenommen: Der Fokus des Seminars zielt darauf ab, Gewalt als Interaktions- und Kommunikationsform in den Blick zu bekommen. Dies geschieht dann auf Basis aktueller Debatten und empirischer Fallstaudien auch aus dem internationalen interaktionistischen Diskurs.
Literatur (Auswahl):
Collins, R. (2008). Violence: A micro-sociological theory. Princeton University Press.
Hoebel, T., & Knöbl, W. (2019). Gewalt erklären! Plädoyer für eine entdeckende Prozesssoziologie (1. Auflage). Hamburger Edition, Verlag des Hamburger Insituts für Sozialforschung.
Imbusch, P. (2002). Der Gewaltbegriff. In W. Heimeyer & J. Hagen (Eds.), Internationales Handbuch der Gewaltforschung (pp. 26–57). Westdeutscher Verlag.
Koloma Beck, T., & Schlichte, K. (2017). Theorien der Gewalt zur Einführung (2., korrigierte Auflage). Junius.
Lindemann, G. (2015). Gewalt als soziologische Kategorie. Archiv Fuer Rechts- Und Sozialphilosphie, 101(4), 501–512.
Trotha, T. von (Ed.). (1997). Zur Soziologie der Gewalt. Kölner Zeitschrift Für Soziologie Und Sozialpsychologie, 37, 9–58.
- Trainer/in: Rene Tuma

Veranstaltungszeit: montags, 12-14 Uhr (wöchentlich ab dem 12.4.2021)
Zoomlink (für jede Sitzung): https://tu-berlin.zoom.us/j/61236567058?pwd=b3BEbVErMGczL0NycWlOWGVjeGFadz09
Modul: Vertiefung Gesellschaftsanalyse; 3 ECTS; benotet; Portfolioprüfung (typisch für Wahlpflichtbereich und freien Wahlbereich)
- Trainer/in: Theresa Vollmer
- Trainer/in: Frederike Julia Brandt
- Trainer/in: Ricarda Frieda Kaiser
- Trainer/in: Hubert Knoblauch
Hubert Knoblauch
Von der Corona-Gesellschaft zur Post-Corona Gesellschaft? Zur Gesellschaftstheorie und –Diagnose der Covid-19-Pandemie
Seminar: Mi 10-12 ZOOM
Auch oder gerade weil wir noch immer von der Pandemie gebeutelt werden, stellt sich die Frage, wie sie die Gesellschaft verändert, verändert hat oder noch verändern wird. Diese Frage betrifft uns alle, beschreibt aber auch ein Thema der soziologischen Gegenwartsdiagnose, der wir uns in diesem Seminar widmen wollen. Die Soziologie war ja in vielerlei Hinsicht und von Anfang an dabei, wenn es um die Deutungen der Pandemie und ihrer gesellschaftlichen Folgen ging. Daneben ist auch eine Unmenge von sozialwissenschaftlichen empirischer Studien entstanden, die sich mit einzelnen Aspekten der Pandemie beschäftigen. Es geht uns hier deswegen um die Frage, wie die Soziologie mit der Pandemie umgeht, was sie soziologisch bedeutet, wie sie zu verstehen und zu erklären ist und, möglicherweise, wohin sie führt.
Deswegen wollen wir uns in diesem Seminar zunächst mit der ‚großen‘ Frage der gesellschaftlichen Veränderungen durch Corona beschäftigen. Gerade weil wir uns nach einem Jahr schon an vieles gewöhnt haben und einiges, was durch Corona verändert worden ist, schon zu einer „neuen Normalität“ geworden ist, werden wir dazu vor allem auf Deutungen und Diagnosen von auch sehr namhaften Soziologis zurückgreifen, die noch unter dem Schock der ersten Welle und des ersten Lockdowns entstanden sind. Sie markieren die Differenz vermutlich am deutlichsten; zudem kann nun ein Jahr später auch besser überprüft werden, welche Diagnosen passender waren. In diesem Zusammenhang werden wir auch die Reaktionen auf die Krise, wie etwa die Entstehung von Verschwörungstheorien, behandeln. Daneben aber werden wir auch jene Diagnosen beachten, die die längerfristigen Folgen der Corona-Pandemie reflektieren. Wird Corona die Gesellschaft nachhaltig prägen, wenn die medizinische Gefährdung nicht mehr besteht, und wenn ja: wie? Oder stellt sie nur ein Zwischenspiel dar?
Das Seminar wird sich vor allem auf die Diskussion verschiedener und unterschiedlicher Texte konzentrieren, die in Gruppen und im Plenum diskutiert werden. Dabei soll, angesichts einer gewissen Orientierungslosigkeit, die Vielstimmigkeit der Deutungen durch die Auswahl jeweils mehrerer kleinerer Texte Rechnung getragen werden. Für die schriftliche Ausarbeitung der Referate können Themen vertieft bzw. erweitert werden, wobei die Bezugnahme auf die mittlerweile ja kaum mehr zu überblickenden Forschung zu einzelnen Aspekten der Krise empfohlen wird, wie etwa sozialer Ungleichheit, häusliche Gewalt, Geschlechterdifferenz, internationaler Vergleich etc. Dadurch eröffnen sich auch Möglichkeiten zur Ausarbeitung von Hausarbeiten.
Teilnahmevoraussetzung: BA/MA-Studium Soziologie an der TU
Leistung: Lektüre der empfohlenen Texte
Aktive Teilnahme am Seminar (mit je einem Gruppenprotokoll)
Erstellung einer Textausarbeitung (ca. 5 Seiten) bis zum Ende des SoSe 2021.
- Trainer/in: Frederike Julia Brandt
- Trainer/in: Ricarda Frieda Kaiser
- Trainer/in: Hubert Knoblauch
Tutor_innen:
Frederike Brandt (f.brandt@soz.tu-berlin.de)In den Tutorien haben wir die Möglichkeit die Inhalte der Vorlesung zu erläutern, vertiefend zu verstehen und zu diskutieren. Wir setzten uns im Tutorium mit den Primärtexten der wichtigsten gegenwärtigen soziologischen AutorInnen auseinander. Dem Besuch des Tutoriums geht die Lektüre der Primärtexte und das Anhören der Vorlesung voraus. Das Tutorium bietet euch den Raum die einzelnen Theorien im Gespräch mit anderen Studierenden zu erschließen. Die erfolgreiche Teilnahme an den Tutorien ist Voraussetzung für die Zulassung zur mündlichen Prüfung.
Teilnahmeleistungen: aktive Teilnahme an den Online-Tutorien, 1x mündliche Zusammenfassung der Kernaussagen der Vorlesung der jeweiligen Woche + Einleitung in die Diskussion (15 min),1 x Abstract + Fragenformulierung an den zu behandelnden Text (1 DIN A4 Textseite).
Es wird zur schriftlichen Abgabe ein persönliches Feedback über Videochat erfolgen.
Prüfungsleistungen: das Modul Theorien der Soziologie wird nach dem 2. Semester mit einer mündlichen Prüfung (30 min) abgeschlossen.
- Trainer/in: Frederike Julia Brandt
- Trainer/in: Ricarda Frieda Kaiser
- Trainer/in: Hubert Knoblauch
- Trainer/in: Frederike Julia Brandt
- Trainer/in: Ricarda Frieda Kaiser
- Trainer/in: Hubert Knoblauch